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„Die Frauen werden nun stärker“

Eine spannende Frau, eine spannende Vita: Vera Peters ist studierte Luft- und Raumfahrtingenieurin und hat als Unternehmensberaterin über 1.000 Führungskräfte und deren Mitarbeiter unterstützt.

 

Erschienen in der Zeitschrift " das dental labor | 10.2020 ".


Eine spannende Frau, eine spannende Vita: Vera Peters ist studierte Luft- und Raumfahrtingenieurin und hat als Unternehmensberaterin über 1.000 Führungskräfte und deren Mitarbeiter unterstützt. Unsere dl-Heldin (siehe Seiten 3, 4 und 8 in dieser Ausgabe) wird ein Coaching mit ihr gewinnen. Mit Sicherheit ein Volltreffer, denn Vera Peters hat schon etliche Labore beraten und versteht es meisterlich, ihre Begeisterung auf ihre Zuhörer und Kunden zu übertragen. Wir unterhielten uns mit ihr – natürlich – über Frauen und Zahntechnik und Unternehmertum.

dl: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass sich immer noch so wenige Frauen in der Zahntechnik selbstständig machen?

Vera Peters: Obwohl im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen der weibliche Arbeitnehmeranteil in der Zahntechnik bei mehr als 50 Prozent liegt, trauen sich noch immer zu wenige Frauen, den nächsten Schritt in die Führungsposition oder in die Selbstständigkeit zu wagen. Frauen sind sehr kritisch sich selbst gegenüber, zweifeln häufig an ihren Fähigkeiten und haben zu wenig Mut, beruflich neue Schritte zu gehen. Die eigene Erwartungshaltung, immer perfekt sein zu müssen und unterschiedlichsten Familienthemen stets gerecht zu werden, hält Frauen davon ab, sich selbstständig zu machen. Noch zu selten werden Mädchen von ihren Familien zur Unternehmerin „erzogen” oder in ihrer Entscheidung unterstützt, mehr strategische und finanzielle Verantwortung zu übernehmen oder Unternehmertum zu entwickeln.

dl: Sind die Frauen in einem Veränderungsprozess?

Vera Peters: Ja, die Frauen werden nun stärker. Sie entdecken immer mehr die Branche der Zahntechnik, die aus meiner Sicht geradezu prädestiniert ist, um Familie und Beruf miteinander zu kombinieren. Bei gutem Zeit- und Labormanagement gibt es nicht viele ungeplante Termine am Tag. Daher ist auch eine Organisation von privaten und familiären Terminen gut planbar. Wenn Sie Ihr Mitarbeiter-Team auf starke, eigenverantwortliche Beine stellen, erhalten Sie genügend Zeit für Strategie und Unternehmensführung. Dann besteht auch nicht die Gefahr, im Alltagsgeschäft unterzugehen. Flexiblere Arbeitszeiteinteilung ist möglich. Viele Frauen mögen es, sich auch mit dem Verhalten und der Psychologie von Menschen zu beschäftigen. Genau diese Kompetenzentwicklung wird künftig noch mehr benötigt, um sich mit den jeweiligen Bedürfnissen der Generationen über Medizin, Gesundheit und Ästhetik zu verständigen. Welche Trends sind damit verbunden? Welche Innovationen? Heute, mit der stetig steigenden Anzahl von Zahnärztinnen, wäre sicherlich auch der Weg für Unternehmerinnen in der Zahntechnik großartig.

dl: Ist vielleicht auch jetzt die Zeit reif für Unternehmerinnen, die mehr als nur in ihrem Unternehmen arbeiten wollen? Vera Peters: Ja, genau! Es geht um Strategien, Psychologie der Kunden und Patienten. Welche Wertigkeit erhalten Aspekte wie Gesundheit und Ästhetik im Leben der Mitarbeiter, aber auch der Kunden? dl: Ticken von Frauen geführte Unternehmen anders? Vera Peters: Nein, jedes Unternehmen ist in seiner Art und Weise individuell und unabhängig dl: Allein oder lieber mit Partner selbstständig?

Vera Peters: Gleiche Werte, Erwartungen und Motive sind zu klären, dann kann auch ein Unternehmen mit dem Partner funktionieren.

dl: Worauf achten Sie, wenn Sie zum ersten Mal in ein Labor kommen, das Sie beraten sollen?

Vera Peters: Viele Berater achten in erster Linie auf die Website, Social Media-Auftritt und Positionierung des Labors. Für mich ist entscheidend, als Sparringspartner und Co-Unternehmer zu kommen und nicht vorzeitig zu urteilen, sondern erst einmal Informationen aufzunehmen. Wenn ich das erste Mal in ein Labor komme, achte ich auf mein Bauchgefühl und ob ich willkommen bin. Wie werde ich empfangen? Ich schaue mir das Klima an – wie werden die Mitarbeiter einbezogen, wissen sie zum Beispiel, wer ich bin, kennen die Mitarbeiter die Pläne, Sorgen und Ängste der Geschäftsführung? Wie ist die Geschäftsführerin, der Geschäftsführer vorbereitet? Wie geht sie oder er mit sich selbst um? Wie viel Freude hat er oder sie bei dem, was sie tun? Was hat sich vielleicht zu früher, zum Beginn der Existenzgründung oder Übernahme verändert? Wie wirkt das Labor – aufgeräumt? Chaotisch? Und selbst wenn es auf den ersten Blick chaotisch wirkt, schaue ich weiter: Ist das vielleicht die individuelle Note, und ist das Team trotzdem in sich strukturiert? Welche Besonderheiten gibt es? Wie erzählt der Chef von seinen Mitarbeitern? Wohlwollend? Oder wird hier direkt mit Vorwürfen gearbeitet …

dl: Wie wird aus einem eher hierarchisch strukturierten Betrieb einer, der selbstorganisiert funktioniert?

Vera Peters: Indem Sie Menschen frühzeitig Verantwortung übergeben! In kleinen Schritten kleine Pakete mit auf den Weg geben. dl: Ein brisantes wie aktuelles Thema in vielen Laboren: Wie las - sen sich Migranten integrieren? Vera Peters: Zuhören, zuhören, zu - hören – vor allem den bisherigen Mitarbeitern, die sich vielleicht Sor - gen machen und Angst haben, was sich so alles verändern könnte, wenn fremde Kulturen in „unsere” Welt dringen. Stetige Kommunikation über Lebensweisen, Verhaltensunter - schiede, Wertepyramide, Zugehörig - keiten, Rituale.

dl: Wie sieht die ideale Kunden - akquise aus – gibt es „No gos“?

Vera Peters: Den Kunden etwas verkaufen müssen, statt Beratungs - gespräche Verkaufsgespräche führen, die Entscheidungsfreiheit der Men - schen nicht zu respektieren. Und: Nicht genügend Zeit geben

dl: Was war das schönste Kompliment, das Sie nach einer Beratung bekommen haben?

Vera Peters: Das waren Sätze wie „Bei uns gibt es keine Probleme mehr, nur noch Lösungen“ oder „Ich stehe als Geschäftsführer morgens mit einer Leichtigkeit und Freude auf.“

dl: Haften Sie für Ihre Beratung?“

Vera Peters: Wofür sollte ich haften? Dass die Unternehmer und Mitarbeiter selbst ihre Lösungen gefunden haben? Als Sparringspartnerin und Unternehmensmentorin stelle ich Fragen, höre genau zu, lasse die Thematik aus verschiedenen Perspektiven betrachten, inspiriere, auch mal unkonventionelle Schritte zu durchdenken und unterstütze bei der Erarbeitung konkreter Aktions- und Umsetzungsmaßnahmen. Natürlich bringe ich auf Wunsch auch meine über 30jährige Führungsexpertise mit ein. Die anstehen - den Entscheidungen treffen aber weiterhin die Unternehmer und ihre Teams selbst. Nun können diese Entscheidungen aber leicht und zügig getroffen werden, da die Beteiligten alle Vor- und Nachteile, ihre Chancen, aber auch eventuelle Risiken genau kennen. 

Das Interview führte Barbara Schuster